Keine Entspannung in Duisburg

In den letzten Monaten gingen manche Beobachter davon aus, dass die aggressive rassistische und antiziganistische Stimmung in Duisburg nachgelassen hätte. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass rassistische Wutbürger sich nicht mehr ganz so ungefiltert auslassen können oder wollen wie noch vor einigen Monaten. Die Duisburger Medien, die Stadtverwaltung, die Polizei und Lokalpolitik achten offenbar stärker auf ihre Wortwahl und darauf, dem rassistischen Mob keine Bühne zu geben oder offene Zustimmung auszudrücken. Dies mag zum einen darauf zurückgehen, dass die Erfolge extrem rechter Parteien bei den letzten Wahlen und die rassistisch motivierten Brandanschläge der “Legion 47” nicht wenige erschreckt haben dürften, welche noch kurz vorher sehr großes Verständnis für die “berechtigten Sorgen der Menschen” hatten.

Inzwischen wird immer deutlicher, dass es nach wie vor in Duisburg brodelt und die “kritische Zivilgesellschaft” dem wenig entgegensetzen kann oder will. Zu nennen ist hier zum einen die Tatsache, dass die Taten der neonazistischen Bande “Legion 47” weder in Duisburg noch überregional für großes Aufsehen oder gar politische Reaktionen gesorgt haben. Vermutlich fürchtet man in einigen Kreisen nicht zu Unrecht, dass die Anschläge der “Legion 47” und das lange Schweigen der Polizei zu diesen den schon lädierten Ruf Duisburgs weiter beschädigen könnten.

In der letzten Woche wies nun der Duisburger Flüchtlingsrat darauf hin, dass eine Unterbringung von Geflüchteten in Duisburg-Neumühl unverantwortlich sei. Im Herbst war in der Hochburg der rassistischen Partei PRO NRW eine Bürgerinformationsveranstaltung eskaliert und auch danach war es immer wieder zu rassistischen Ausfällen in Neumühl gekommen. Geflüchtete nach Neumühl zu schicken ist unverantwortbar, es wäre sicherer, die Menschen in lebenswerteren Vierteln unterzubringen, zumal in Duisburg hunderte Wohnungen leerstehen.

Ebenfalls in der letzten Woche berichtet die WAZ über eine Veranstaltung in Marxloh, in der sich offenbar eine ausgeprägte antiziganistische Stimmung entlud. Auch in Marxloh wird, ähnlich wie in mehreren weiteren Stadtteilen, seit Monaten eine Diskussion um die Zuwanderung von Roma und die vermeintlich durch diese verursachten Probleme geführt sowie ein damit angeblich zusammenhängender “rasant fortschreitenden Verfall” beklagt. Ganz so, als sei der Verfall von Stadtteilen wie Marxloh nicht schon seit Jahrzehnten zu beobachten und als hätte dieser nicht andere, strukturelle Ursachen, werden einzig die Neueinwanderinnen und -Einwanderer für die Situation in Marxloh und anderswo verantwortlich gemacht.

Vor dem Hintergrund dieser Momentaufnahmen wird deutlich, dass Antiziganismus und Rassismus in Duisburg nach wie vor virulent sind und dass es schnell zu einer erneuten Eruption bis hin zu offener Gewalt gegen Geflüchtete und Zuwanderer kommen könnte.