Vortrag: »Unser Auschwitz« – Erinnern als Surrogat des Vergessens

Vortrag von Niklaas Machunsky am 8. Mai im Djäzz. Beginn 20 Uhr, der Eintritt ist frei.

“Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz.“ Mit diesem Satz bekräftige Bundespräsident Gauck jüngst die fundamentale Bedeutung von Auschwitz für die deutsche Kollektivität. Schon vor Jahrzehnten stellte Günter Grass fest, dass Deutschland denken Auschwitz denken heiße. Es ist kein Wunder, dass ausgerechnet der Israelhasser Grass die Formel eines geläuterten Bekenntnisses zu Deutschland erfand, schließlich personifiziert er geradezu jene “Lehren aus der Vergangenheit”, die im Nationalstaat den Ursprung allen Übels verorten, ihn aber nur beim jüdischen an den Pranger stellen. Israel scheint ein lebender Anachronismus in einer Welt zu sein, die “wegen Auschwitz” postnational geworden sei. Die Bundesrepublik fungiert in diesem Europa-Konzept nicht als ein Bestandteil unter anderen, sondern ist, gerade wegen seiner Vergangenheit, postnationaler Vorreiter. Wie das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil zur Einschränkung der Meinungsfreiheit höchst richterlich feststellte, sei die Bundesrepublik der Gegenentwurf zum Dritten Reich. Doch was ist dann Israel? Gerade weil die Deutschen aus ihrer Vergangenheit die richtigen, multikulturellen und postnationalen Konsequenzen ziehen wollen, werden sie zu Feinden der jüdischen Souveränität. Dieser Zusammenhang und seine Implikationen sollen im Vortrag entfaltet werden.

Niklaas Machunsky ist Redakteur der Kölner Zeitschrift »Prodomo« und Autor des Wiener Blattes »sans phrase«.