Angst vor dem Mob? Duisburg bringt Geflüchtete in matschigem Zeltlager unter

Seit einigen Tagen steht die Duisburg Verwaltungsspitze und insbesondere Stadtdirektor Reinhold Spaniel (SPD) in der Kritik, weil die Stadtverwaltung Geflüchtete in dünnen Zelten auf einem matschigen, ehemaligen Fusballplatz in Duisburg-Walsum unterbringen will. Kirchengemeinden, die Grünen und selbst die CDU – welche noch im Kommunalwahlkampf versucht hat, mit rassistischen Plakaten zu punkten – sparen nicht mit Kritik, das bundesweite Medieninteresse ist groß. Bemängelt wird vor allem, dass leer stehende städtische Gebäude und Wohnungen nicht genutzt würden, um die Geflüchteten halbwegs menschenwürdig unter zu bringen.


Doch was treibt die Stadtverwaltung um Spaniel zu Maßnahmen wie der Errichtung von Zelten auf schlammigen Aschenplätzen? Ist es alleine die politische und organisatorische Unfähigkeit? Unfähigkeit wird sicherlich eine Rolle spielen, erklären kann dies manche Entscheidungen aber nur bedingt. Vielmehr scheint den schon mehrfach äußerst negativ aufgefallenen Spaniel auch die Angst vor einer abermaligen Mobbildung von Rassist*innen um zu treiben. So hatte Spaniel etwa schon vor fast einem Jahr erklärt, dass die Debatte um die Unterbringung von Geflüchteten kein „Gewinner-Thema“ sei. Anwohner*innen und Politiker*innen aus Duisburg-Neumühl liefen damals Sturm gegen den Umbau des Barbara-Hospitals zu einer Unterkunft, woraufhin die Stadt die Errichtung von sieben dezentrales Standorten beschloss. Erst vor wenigen Tagen kam es bei einer Bürgerversammlung in Duisburg-Rheinhausen, bei der über die Errichtung einer Asylbewerber*innen-Unterkunft informiert werden sollte, zu rassistischen Ausfällen von Anwohner*innen und Ratsmitgliedern von PRO NRW.

Dass Spaniel und co. womöglich von der Angst vor abermaligen rassistisch motivierten Protesten getrieben sind, legen auch Recherchen der Duisburger WAZ nahe. “Die Forderung von Wohlfahrtsverbänden, das Barbara-Hospital oder gar die 200 leeren Wohnungen der Zinkhütten-Siedlung zu nutzen, die beide als politisch absolute Tabu-Standorte gelten, laufen offenbar vorerst noch ins Leere. „Diese Standorte sind derzeit nicht in der Prüfung für eine Unterbringung“, sagt Spaniel.” Tatsächlich ist es alles andere als unwahrscheinlich, dass es erneut zu xenophoben Zusammenrottungen in der PRO NRW-Hochburg Duisburg-Neumühl kommen könnte, wenn etwa das leerstehende Barbara-Hospital als eine Einrichtung für Geflüchtete genutzt werden würde. So erfüllt sich auch vorerst der Wunsch der Anwohner*innen: “Kein Asyl in Neumühl”.

Die Duisburger Zustände haben sich seit Gründung unserer Initiative vor ca. einem Jahr verändert, überwunden sind sie nicht. Nur vordergründig ist es ruhiger geworden, seitdem das so genannte “Problemhaus” in Duisburg-Bergheim geräumt wurde und das mediale Interesse am Thema “Massenzuwanderung” nachgelassen hat. Antiziganistische und rassistische Äußerungen prägen immer noch den Diskurs in der Stadtgesellschaft – speziell im Duisburger Norden. Auch ein Jahr nach Gründung der Initiative gegen Duisburger Zustände bleibt also leider noch viel zu tun, wie die aktuellen Entwicklungen um die skandalöse Unterbringung von Geflüchteten in Zelten eindrücklich belegen.